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Forvel
  

1. Ursprung und Standort

Forvel (kurz für Fornos Velocípedes, Lda.) wurde 1974 in Cantanhede (nahe Coimbra und Aveiro) gegründet. Gegründet wurde das Unternehmen von António da Costa Ramos.

Der Firmenname "Forvel" ist ein Akronym, das sich aus dem Standort und dem Produkt zusammensetzt:

  • For – steht für den Ort Fornos (in der Gemeinde Cantanhede).
  • Vel – steht für Velocípedes (Fahrräder/Zweiräder).

Die Region Aveiro galt damals als das "Silicon Valley" der portugiesischen Mopedindustrie, da dort eine hohe Dichte an Rahmenbauern und Zulieferern ansässig war.

2. Die goldene Ära (1970er & 1980er Jahre)

Forvel spezialisierte sich auf die Produktion von Mopeds (50 cm³), die für ihre Zuverlässigkeit bekannt waren. Da Portugal zu dieser Zeit hohe Importzölle auf ausländische Komplettfahrzeuge hatte, florierte die heimische Produktion von Rahmen, in die importierte Motoren eingebaut wurden.

  • Motorenpartner: Forvel war einer der flexibelsten Hersteller und verbaute eine Vielzahl von Aggregaten, je nach Modell und Kundenwunsch:
  • Sachs: Vor allem die 50-cm³-Motoren (50/5), die in Portugal extrem populär waren.
  • Casal: Da Casal (aus Aveiro) der größte portugiesische Motorenbauer war, nutzte Forvel diese Motoren als lokale Alternative.
  • Minarelli: Später kamen auch italienische Minarelli-Motoren zum Einsatz, besonders bei sportlicheren Modellen.
  • Modellpalette: * Forvel Cross: Ein sehr beliebtes Modell im Offroad-Look, das oft mit Sachs- oder Casal-Motoren ausgestattet war.
  • Forvel Concorde: Ein sportliches Straßenmodell mit Gussrädern und Scheibenbremse (oft mit Minarelli-Motor), das gegen Ende der 80er Jahre modern wirkte.
  • Forvel Junior: Kleinkrafträder für Jugendliche.

3. Technische Merkmale

Forvel-Maschinen zeichneten sich oft durch sehr stabile Zentralrohr- oder Doppelschleifenrahmen aus. Während die Optik oft an internationale Trends (z. B. Zündapp oder japanische Enduros) angelehnt war, blieb die Technik simpel und reparaturfreundlich. Besonders die Modelle mit Sachs-Motoren gelten heute in der portugiesischen Oldtimer-Szene als unverwüstlich.

4. Niedergang und Ende

Wie fast alle portugiesischen Hersteller geriet Forvel ab den späten 1980er Jahren unter Druck:

  • Marktöffnung: Mit dem Beitritt Portugals zur EU (1986) fielen die Importbarrieren, und japanische sowie italienische Marken überfluteten den Markt.
  • Abgasnormen: Die alten Zweitaktmotoren (Sachs, Casal) konnten die strenger werdenden Umweltauflagen ohne massive Investitionen nicht erfüllen.
  • Konkurs: Die Produktion wurde in den frühen 1990er Jahren eingestellt. Die Fabrik in Cantanhede musste schließen, womit eine weitere eigenständige portugiesische Marke verschwand.

5. Heutiger Status

Forvel wird heute in Portugal als Kultmarke gepflegt. Es gibt eine aktive Szene, die Treffen organisiert und Ersatzteile für die Rahmen nachfertigt. In den letzten Jahren gab es (wie bei Famel) Gerüchte über eine Wiederbelebung der Marke im Bereich Elektromobilität, doch konkrete Serienfahrzeuge unter dem Namen Forvel sind bisher nicht wieder auf dem Markt erschienen.

Last edited: 1/1/2025 · Jürgen Wißler