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BM
  

1. Der Gründer: Mario Bonvicini (1903–1986)

Die Marke BM ist das Lebenswerk von Mario Bonvicini (vollständiger Name oft als Bonvicini Marino in den Firmenregistern geführt).

  • Sportliche Wurzeln: Bevor er Fabrikant wurde, war Bonvicini ein herausragender Radrennfahrer.
  • Erfolge: Seine Glanzzeit lag zwischen 1926 und 1930. Er gewann bedeutende Klassiker wie die Tre Valli Varesine und Astico-Brenta (1926).
  • Giro d’Italia: Beim Giro d’Italia 1927 bewies er seine Klasse, indem er auf der ersten Etappe den zweiten Platz belegte und die Rundfahrt als Zehnter des Giro del Veneto flankierte.

2. Gründung und Standort (1952)

Das Unternehmen wurde offiziell 1952 gegründet. Der erste Sitz war in Rastignano Pianoro, einem Vorort von Bologna. Später zog das Unternehmen innerhalb von Bologna mehrfach um (unter anderem in die Via Orlandi).

3. Technologische Vielfalt (1950er & 60er)

BM war kein reiner "Moped-Schrauber", sondern baute anfangs durchaus ernsthafte Motorräder:

  • Frühe Modelle: Man startete mit 125er und 160er Zweitaktern, die mit deutschen Jlo-Motoren (ILO) ausgestattet waren.
  • Viertakter: Schon 1953/55 wagte man sich an Viertakt-Modelle, darunter eine 100er mit NSU-Fox-Motor und sogar eine anspruchsvolle 250er mit obenliegender Nokkenwelle (OHC) aus eigener Konstruktion.
  • Der Pokerino (1956): Ein sehr erfolgreicher kleiner Roller mit Minarelli-Motor, der auch unter anderen Markennamen (wie Negrini) vertrieben wurde.

4. Die Ära der "Jaguarino" und Offroad-Erfolge (1970er)

In den 70er Jahren wurde BM zur Kultmarke für Jugendliche.

  • Modellfamilie: Die bekanntesten Modelle waren die Jaguarino-Reihe (Touring, Sport, Cross und Cross Special).
  • Motoren: Hier setzte man konsequent auf Franco Morini (oft die Turbostar-Motoren) und für die sportlichen Top-Modelle wie die KS 50 auf Minarelli P6 (6-Gang).
  • Qualität: BM-Rahmen galten als besonders robust und die Maschinen waren für ihre gute Verarbeitung bekannt.

5. Bau für andere Marken

  1. Yankee Motors (USA), Für den US-Importeur John Taylor aus Schenectady, NY, baute BM das Modell Yankee Boss: Ein 50er-Minibike mit Morini Franco 4MP-Motor und 12-Zoll-Rädern (ca. 1971–1972). Es sollte das US-Sortiment neben der großen Yankee Z500 nach unten abrunden.
  2. Tornax (Deutschland), Nach der Wiederbelebung des Namens Tornax in den 80er Jahren wurden die Maschinen komplett bei BM in Italien gefertigt z.B. Tornax TS 80 (Strasse), Tornax RX 80 (Enduro), Tornax M1 (Mofa).
  3. Kosmos (Deutschland), Nach der Insolvenz von Tornax übernahm der Importeur Euro-Import Schlich (Mayen) die Bestände und Rechte. Die bei BM produzierten Maschinen wurden unter dem Namen Kosmos weitergeführt. Kosmos KSR-Serie (80/125 ccm): Diese basierten direkt auf den BM-Konstruktionen für Tornax.
  4. Negrini (Italien), Für die Marke Negrini entwickelte und produzierte BM den Negrini Farfallino, ein kleiner Roller.

6. Kooperationen und Handelsmarken

BM war bekannt für das "Ultra Bologna"-Konzept und lieferte Rahmen oder komplette Einheiten an verschiedene kleinere Montagebetriebe und Marken, darunter:

  • Beta & Negrini: Beide Marken vertrieben den von BM entwickelten Pokerino-Roller (ab 1956) unter eigenem Namen.
  • Gabbiano: Es gab enge personelle und produktionstechnische Verflechtungen zwischen BM und der Marke Gabbiano (ebenfalls Bologna).

5. Niedergang und Schließung (1988/89)

Wie die meisten Marken des "Bologneser Kreises" konnte BM dem Marktdruck der späten 80er nicht standhalten.

  • Die Produktion wurde in den 80er Jahren stark zurückgefahren und konzentrierte sich zuletzt auf wenige Moped-Modelle.
  • 1988/89 wurde das Unternehmen endgültig geschlossen.

Last edited: 1/1/2025 · Jürgen Wißler