1. Gründung vom Fahrrad bis zum Motorrad (1930–1958)
- Gründer: Antonino Malaguti gründete die Firma 1930 in San Lazzaro di Savena (Bologna).
- Anfänge: Zunächst war es ein Reparatur- und Verkaufsgeschäft für Fahrräder. Antonino war selbst ein begeisterter Radrennfahrer.
- Überleben: Die Firma überstand die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs und begann direkt danach, die immense Nachfrage nach günstigen Transportmitteln zu bedienen.
- Hilfsmotoren: 1949 baute Malaguti die ersten Fahrräder mit Hilfsmotoren (u. a. den berühmten Mosquito-Motor).
- Erste Motorräder: 1958 stieg das Unternehmen offiziell in den Motorradmarkt ein. In dieser Phase begann die enge Zusammenarbeit mit Motorenlieferanten aus der Region Bologna (Minarelli und Morini).
2. Das Goldene Zeitalter: Fifty und Co. (1960er–1980er)
- Jugend-Kult: In den 60ern erkannte Malaguti das Potenzial der "14-Jährigen" und spezialisierte sich auf sportliche Kleinkrafträder.
- Die Ikone "Fifty" (1974): Das Modell Fifty wurde zum Inbegriff des italienischen "Tubone" (Rohrrahmen-Moped). Es prägte Generationen von Jugendlichen und hielt sich fast 20 Jahre lang an der Spitze der Verkaufscharts.
- Lange vor dem Plastik-Boom der 80er war Malaguti ein Pionier der geländegängigen Kleinkrafträder. Die Cavalcone-Reihe: Bereits ab 1970/71 brachte Malaguti die Cavalcone (Modellreihen wie GAM 16 oder C40) auf den Markt. Diese Maschinen sahen aus wie echte Wettbewerbs-Enduros (hohe Schutzbleche, Stollenreifen, hochgezogene Auspuffe).
- Motoren-Mix: In dieser Zeit war Malaguti einer der größten Abnehmer von Franco Morini.
- Die frühen Cavalcone 50 nutzten fast ausschließlich Franco Morini Motoren (z.B. die UC-Serie wie UC4 oder UC6). Diese Motoren waren für ihr markantes Kühlrippen-Design ("Radial-Zylinderkopf") bekannt.
- Parallel dazu gab es die Ronco, die oft als etwas preiswertere oder technisch leicht abgewandelte Variante zur Cavalcone positioniert war.
3. Der Zweikampf der Motoren: Minarelli vs. Morini
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Malaguti nur eine Marke nutzte. Tatsächlich war es ein strategisches Wechselspiel:
- Franco Morini: War der "Haus- und Hoflieferant" für die legendäre Malaguti Fifty (ab 1974). Fast alle Fifty-Generationen (Black Special, HF, Full CX) nutzten die Franco Morini T4- oder G30-Motoren. Auch die frühen Cavalcones blieben Morini treu.
- Motori Minarelli: Kam massiv ins Spiel, als es um höhere Leistung und mehr Gänge ging. Während Morini oft 4-Gang-Getriebe lieferte, bot Minarelli mit der P6-Serie (6 Gänge) das technologische Nonplusultra für sportliche Fahrer an.
- In den späten 70ern und frühen 80ern gab es Cavalcone-Modelle, die je nach Markt und Spezifikation (z.B. Export nach Deutschland als Mokick oder Leichtkraftrad) auf Minarelli P6 umgestellt wurden.
4. Der Übergang zur 125er Klasse (80er Jahre)
Als der Markt für 80ccm und 125ccm explodierte, musste Malaguti reagieren:
- Cavalcone 80 (1981): Hier kam oft der Franco Morini FM 80 Motor zum Einsatz. Es war der Versuch, gegen Marken wie Zündapp oder Hercules zu bestehen.
- Runner 125 (1985): Dieses Modell markiert nicht den Beginn des Booms, sondern den Versuch von Malaguti, im "modernen" Enduro-Segment (Wasserkühlung, Scheibenbremsen) den Anschluss an Cagiva und Honda zu halten. Hier wurde oft auf Yamaha-basierte Minarelli-Motoren gesetzt, was die spätere Übernahme durch Yamaha bereits einleitete.
5. Die Roller-Revolution (1990er–2000er)
- Das Phantom (1994): Der Malaguti Phantom F12 wurde zu einem der meistverkauften Roller der Geschichte. Sein Design war von Kampfjets inspiriert und setzte Maßstäbe in Sachen Aerodynamik und Tuning-Potenzial.
- Expansion: Es folgten Erfolgsmodelle wie der Firefox F15 und der große Reiseroller Madison.
- GP-Engagement: 2003 stieg Malaguti sogar kurzzeitig in die 125ccm-Weltmeisterschaft ein, um das sportliche Image zu unterstreichen.
6. Krise und Schließung (2011)
- Wirtschaftlicher Druck: Die Konkurrenz durch Billigimporte aus Asien und der allgemeine Rückgang des 50ccm-Marktes setzten Malaguti schwer zu.
- Das Ende: Im Oktober 2011 musste das Unternehmen die Produktion in Bologna einstellen und die Türen schließen. Es war das vorläufige Ende der Ära unter der Familie Malaguti.
7. Das Revival (seit 2018)
- KSR Group: 2018 erwarb die österreichische KSR Group die Markenrechte.
- Neustart: Seit 2019 werden unter dem Namen Malaguti wieder Motorräder und Roller (oft mit Motorentechnik der Piaggio-Gruppe) vertrieben. Das Design und die Konzeption finden teilweise in Österreich statt, während der "Spirit of Bologna" als Marketingkern erhalten bleibt.
- E-Bikes: Heute ist Malaguti auch stark im Bereich hochwertiger E-Bikes vertreten.
