1. Der Visionär: John Taylor
Die Geschichte beginnt in den 1960er Jahren mit John Taylor in Schenectady, New York. Taylor war ein erfolgreicher Geschäftsmann und der offizielle US-Importeur für die spanischen Marken Bultaco und OSSA. Sein Ziel war es jedoch, nicht nur zu importieren, sondern das „ultimative“ amerikanische Geländemotorrad zu bauen, das sowohl auf der Straße als auch im harten Gelände (ISDT-Niveau) bestehen konnte.
2. Das Herzstück: Die Yankee Z500 (1967–1972)
Das Flaggschiff des Unternehmens war die Yankee Z500. Die Entwicklung war ein technischer Kraftakt:
- Der Motor: Taylor überzeugte den OSSA-Ingenieur Eduardo Giró, einen speziellen 500-cm³-Zweizylinder-Zweitaktmotor zu entwickeln. Dies geschah durch die Kopplung von zwei 250-cm³-OSSA-Zylindern auf einem gemeinsamen Kurbelgehäuse.
- Das Fahrwerk: Der Rahmen wurde von der amerikanischen Rennsport-Legende Dick Mann entworfen. Er bestand aus hochwertigem Chrom-Molybdän-Stahl (geliefert von der Piper Aircraft Company).
- Innovationen: Die Z500 war das erste Serien-Offroad-Motorrad mit einer hydraulischen Scheibenbremse hinten (Kelsey-Hayes). Sie besaß zudem ein 6-Gang-Getriebe und eine extrem robuste Bauweise.
3. Die Kooperation mit BM (Der Yankee Boss)
Um den Markt für Jugendliche und Einsteiger abzudecken, suchte Taylor nach einem kleineren Modell. Er wandte sich an Mario Bonvicini (BM) in Bologna.
- Yankee Boss (1971–1972): BM fertigte für Yankee dieses 50-cm³-Minibike mit Morini Franco-Motor. Es war deutlich hochwertiger als die damals üblichen amerikanischen Mini-Bikes und rollte auf stabilen 12-Zoll-Rädern.
4. Probleme und Produktionsverzögerungen
Obwohl der erste Prototyp bereits 1968 vorgestellt wurde, verzögerte sich die Serienproduktion der Z500 bis 1971.
- Gewicht: Die Maschine war „wie ein Panzer“ gebaut. Mit ca. 156 kg (344 lbs) trocken war sie für den harten Wettbewerbseinsatz im Gelände mittlerweile zu schwer gegenüber der aufkommenden japanischen Konkurrenz.
- Wirtschaftliche Faktoren: Die Nixon-Administration führte Anfang der 70er Jahre fiskalische Einschränkungen ein, die den Absatz von Luxusgütern und Importteilen erschwerten.
5. Das Ende (1973)
Die hohen Entwicklungskosten und die geringen Verkaufszahlen führten in eine finanzielle Sackgasse.
- Insolvenz: 1973 musste die Yankee Motor Company den Betrieb einstellen.
- Stückzahlen: Insgesamt wurden nur etwa 760 bis 765 Einheiten der legendären Z500 produziert.
- Nachspiel: John Taylor blieb noch bis 1978 als Importeur für OSSA tätig, aber die eigene Fahrzeugproduktion war am Ende.
