Die Wiedergeburt einer Legende: Tornax (1982–1985)
Die Geschichte der Marke Tornax ist eine der spannendsten Episoden der deutschen Motorrad-Renaissance der frühen 1980er Jahre. Nachdem die ursprüngliche Tornax-Werke aus Wuppertal bereits 1955 ihre Tore schließen mussten, wurde der traditionsreiche Name im Jahr 1982 zu neuem Leben erweckt.
Der Neustart in Frankfurt
Im Zuge der neuen Führerscheinregelung für 80-cm³-Leichtkrafträder (die damalige Klasse 1b) sicherte sich eine Frankfurter Vertriebsgesellschaft die Namensrechte an Tornax. Das Ziel war es, dem boomenden Markt für jugendliche Fahrer eine exklusive, italienisch geprägte Alternative zu den Platzhirschen Zündapp, Hercules und Honda entgegenzusetzen.
"Made in Italy" – Die Partnerschaft mit BM (Bonvicini Marino)
Da die neue Tornax-Gesellschaft über keine eigenen Produktionsanlagen verfügte, suchte man einen kompetenten Partner im italienischen "Motor Valley" rund um Bologna. Fündig wurde man bei der Edelschmiede Bonvicini Marino (BM) in Rastignano Pianoro.
Unter der Leitung des ehemaligen Rennfahrers Mario Bonvicini entstanden dort Maschinen, die deutsche Solidität mit italienischem Design und Temperament verbanden. BM lieferte das komplette technologische Rückgrat:
- Rahmenbau: Hochwertige Rohrrahmen aus der Fertigung von Rastignano.
- Antrieb: Einsatz des damals hochmodernen Franco Morini FM 6.80 Motors (80 cm³, 6-Gang).
- Komponenten: Erstklassige Bauteile von Marzocchi (Gabeln), Grimeca (Gussräder und Bremsanlagen) und Sebac (Federbeine).
Die Modellpalette
Tornax trat mit zwei Hauptmodellen an, die heute als seltene Exoten der 80er-Jahre-Kultur gelten:
- Tornax TS 80: Das sportliche Straßenmodell. Mit ihrer markanten Linienführung und den typischen italienischen Gussrädern war sie die Antwort auf die "Zündapp KS 80".
- Tornax RX 80: Eine waschechte Enduro, die direkt von der Geländekompetenz der BM Jaguarino-Modelle profitierte. Sie verkörperte den "Regolarità"-Spirit der 70er Jahre in der neuen 80-cm³-Klasse.
Das Ende und der Übergang zu Kosmos
Trotz der hohen technischen Qualität und des attraktiven Designs war der Markt für 80er Leichtkrafträder hart umkämpft. Bereits um 1984/85 geriet die Frankfurter Vertriebsgesellschaft in finanzielle Schwierigkeiten.
Die Marke verschwand jedoch nicht sofort:
- Die Firma Euro-Import Schlich aus Mayen übernahm die verbliebenen Lagerbestände und Vertriebsrechte.
- Die bei BM produzierten Maschinen wurden unter dem neuen Markennamen Kosmos (oft als KSR-Serie) weiterverkauft.
- Noch bis in die späten 1980er Jahre wurden diese italienisch-deutschen "Hybride" angeboten, bevor die Produktion bei BM in Italien endgültig eingestellt wurde.
